Wundersame Vermehrung der Kosten

Der Chefredakteur des Berliner Tagespiegel, Lorenz Maroldt, äußert sich in einem interessanten Kommentar bei radioeins zu der Frage, warum öffentliche Bauvorhaben immer deutlich teurer werden als ursprünglich geplant. Als wichtigsten Grund nennt er das Bestreben der verantwortlichen Politiker, die Kosten für ein gewolltes Projekt im Vorfeld möglichst niedrig anzusetzen, um eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.

Das ist sicher richtig, vermutlich aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn auch nach Abschluss verbindlicher Verträge mit festgelegten Preisen passieren bei öffentlichen Bauvorhaben regelmäßig „nicht vorhersehbare“ Dinge, die zu exorbitanten Steigerungen der Kosten führen. Was letztlich nur bedeuten kann, dass schon die entsprechenden Ausschreibungen bewusst so formuliert werden, dass zwar die gewünschten Zahlen dabei herauskommen, eine Durchführung des Projektes auf dieser Grundlage aber von vornherein unrealistisch ist. Dass die beauftragten Unternehmen diese Situation später bei ihren begründeten Nachkalkulationen und -forderungen zusätzlich ausnutzen, führt dann eben häufig zu wahren Kostenexplosionen.

Vielleicht ist auch das nicht wirklich überraschend. Aber doch sehr bedenklich. Denn wenn man Politiker nicht sowieso allesamt pauschal als gewissenlose Lügner und Betrüger betrachtet, dann scheint es so, als würde ein solches Vorgehen bei ihnen mittlerweile als übliches und legitimes Mittel der Politik betrachtet. Und das fände ich noch weitaus schlimmer als die Höhe der Kosten an sich.

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