Termin in der Uckermark

In dieser Woche hat mich ein Job nach langer Zeit mal wieder in die Uckermark geführt. Schöne Gegend. Viel Gegend! Der gleichnamige Landkreis ist mit rund 3.000 km² einer der größten und gleichzeitig einer der am dünnsten besiedelten in Deutschland. An letzterem wird sich auch so bald nichts ändern. Die Einwohnerzahl ist seit der Wende von rund 170.000 auf knapp 130.000 zurückgegangen und liegt damit etwa auf dem Stand von 1890. Und der Abwärts-Trend ist noch lange nicht gestoppt: Für 2020 werden nur noch 110.000 Einwohner prognostiziert, 2030 soll die Zahl gar unter die 100.000er-Marke fallen.

Statistiken sind das eine. Das andere ist die Landschaft. Die Natur, die hier mehr Raum bekommt als anderswo. Entsprechend sind die wichtigsten Wirtschaftszweige denn auch Landwirtschaft und Tourismus. Neuerdings gewinnt zudem die Energiewirtschaft an Bedeutung. Viel Platz, das heißt eben auch: Viel Platz für Windräder. Die das Landschaftsbild übrigens nicht verschandeln, wie ich finde. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Ihren Namen verdankt die Uckermark dem Flüsschen Ucker, das bei Alt-Temmen entspringt, sich gemächlich durch die hügelige Moränenlandschaft schlängelt und in Vorpommern noch ein „e“ aufnimmt, bevor es dann als Uecker durch die Kleinstädte Pasewalk und Torgelow bei Ueckermünde in das Stettiner Haff fließt. Auf ihrem Weg hinterlässt es noch auf Brandenburger Seite zwei größere, ebenfalls nach ihm benannte Gewässer, den Ober- und den Unteruckersee. Beide gehören zum knapp 900 km² großen Naturpark Uckermärkische Seen, der sich von der Kreisstadt Prenzlau bis nach Rheinsberg erstreckt und insgesamt etwa 230 Seen, Bachläufe, Moore und Kleingewässer umfasst. Rund die Hälfte der Fläche ist mit Wäldern bedeckt.

Zwischen Hügeln und Seen, Feldern, Wäldern und Wiesen stößt man immer wieder auf verschlafen wirkende Dörfer, in denen scheinbar die Zeit stehen geblieben ist. Eines davon ist Seehausen. Es liegt am nordöstlichen Ausläufer des Oberuckersees und ist ein typisch uckermärkisches Dorf. Ruhig und beschaulich, wenig Verkehr, viel Fachwerk, Putz und Feldstein. Vereinzelt sieht man auch neuere Dächer, zumeist Ferienhäuser und Wochenenddomizile von Stadflüchtigen aus Berlin. Vor einem älteren Haus an der langgezogenen Dorfstraße, die der Einfachheit halber auch so heißt, steht ein Schild, das auf den Verkauf frischer Erdbeeren hinweist. Taubenschlag. Storchennest. Aus den Bäumen des romantisch verwilderten Kirchgartens lugt malerisch der Holzturm der alten Dorfkirche hervor. Außerdem gibt es in Seehausen noch ein Cafè, eine Tennisanlage mit zwei Plätzen, mehrere kleine Anleger für Sportboote und einen etwas größeren für das Ausflugsschiff, das regelmäßig auf den Uckerseen verkehrt.

Und dann ist da noch das Seehotel. 25 gemütliche Zimmer im Landhausstil, rustikale Gaststube mit malerischem Innenhof, eine Sonnenterrasse und am Ende des großen Gartens ein hauseigener Boots- und Badesteg. „Eins mit der Natur“ lautet das treffende Motto. Fotos. Gespräche. Im Moment ist wenig los. Montag. Vorsaison. An den Wochenenden ist das anders. Seehausen ist Haltepunkt des Regionalexpress von Elsterwerda über Berlin nach Stralsund. Alle zwei Stunden. Der erste kommt um 6:47 Uhr, der letzte fährt um 22:09 Uhr. Fahrzeit vom Berliner Hauptbahnhof: 1 Stunde, 20 Minuten. Plus 10 Minuten Fußweg. Da lohnt sich schon ein Tagesausflug.

Meiner neigt sich allmählich dem Ende zu. Das Angebot, mich zur Bahnstation zu fahren, lehne ich dankend ab. Noch scheint die Sonne. Und ich möchte meinen Aufenthalt auskosten. Also noch mal die staubige Dorfstraße entlang, vorbei an Storchennest, Taubenschlag und Erdbeerverkauf. Als ich an der Bahnstation ankomme, haben sich von Westen her in meinem Rücken Gewitterwolken herangeschlichen. Das geht schnell hier. Aber noch ist es trocken. Der Zug kommt pünktlich um 18:09 Uhr. Gerade, als er wieder anfährt, fallen die ersten Regentropfen. Ich lehne mich entspannt zurück und lasse den Tag Revue passieren.

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