Lunchkonzert für Kulturhungrige

Mensch. Da muss erst Besuch aus dem Ruhrpott kommen, um mich als Berliner auf interessante Kulturveranstaltungen in der Hauptstadt aufmerksam zu machen. Na ja, besser so als gar nicht. Immerhin kam ich auf diese Weise vorgestern das erste Mal seit vielen Jahren wieder in die Philharmonie.

Dort finden nämlich jeden Dienstag um 13 Uhr im Foyer so genannte Lunchkonzerte mit Kammermusik statt. Ein wirklich guter Tipp, den ich hier gerne weitergebe. Man sollte allerdings etwas Stehvermögen mitbringen …

Prof. Stefan Schulz, Bassposaunist Prof. Stefan Schulz, Bassposaunist der Berliner Philharmoniker

 

Der Eintritt zu den Lunchkonzerten ist frei, die Atmospähre ungezwungen und man kann vor dem musikalischen Teil zu wirklich zivilen Preisen eine Kleinigkeit essen oder trinken. Einziger Haken: Es gibt nur wenige Stühle, und die sind Besuchern mit gültigem Schwerbehindertenausweis vorbehalten. Alle anderen müssen mit einem provisorischen Sitzplatz auf einer der Treppen Vorlieb nehmen – oder eben stehen. Was bei einer Dauer der Konzerte von 40 bis 50 Minuten aber keine unzumutbare Tortur ist. Und es scheint auch viele Leute nicht zu stören, denn bei unserer Ankunft um 12:20 Uhr waren die besten Plätze schon besetzt. Kurz vor 13 Uhr erschien das Foyer dann mit mehreren hundert Besuchern gut gefüllt (mit genaueren Schätzungen von Personenzahlen tue ich mich schwer). Von einem Geheimtipp kann man also wohl nicht mehr sprechen.

Der Eintritt ist wie gesagt kostenlos, statt dessen wird um eine Spende für das Kinderhilfswerk UNICEF gebeten, das mit einem Stand ebenfalls im Foyer vertreten ist. Es bestehen aber keinerlei Verpflichtungen, weder zum Spenden noch in Form eines Verzehrzwangs, was die Hemmschwelle sicher noch weiter senkt.

Entsprechend bunt gemischt ist das Publikum: Von musikinteressierten Senioren und kulturaffinen Berlin-Besuchern über Geschäftsleute in der Pause zwischen zwei Meetings bis hin zu Rucksacktouristen und jungen Müttern mit Kleinkindern – alles dabei. Hier geht man nicht hin, um gesehen zu werden, sondern um selbst zu sehen. Und zu hören natürlich.

An diesem Dienstag waren Blechblasinstrumente angesagt, namentlich das Posaunenquartett der UdK. Gespielt wurden drei kürzere, für Posaunen umgearbeitete Stücke von Haydn, Lotti und Debussy sowie ein längeres für Klavier und Posaune von einem zeitgenössichen Komponisten namens Jörg Duda. Die Kombination Klavier und Posaune klingt für musikalische Analphabeten wie mich erst mal seltsam, funktionierte im vorliegenden Fall aber erstaunlich gut. Das Stück war abwechslungsreich und hatte in meinen Ohren sogar leicht jazzige Passagen. Gespielt wurde es von Stefan Schulz, Bassposaunist der Berliner Philharmoniker und Lehrbeauftragter für Posaune an der Universität der Künste. Begleitet wurde er von der ukrainischen Pianistin und UdK-Aufbaustudentin Olga Monakh.

Berliner Philharmoniker_ Konzert mit

Alles in allem eine rundum gelungene Sache, die ich wirklich guten Gewissens weiter empfehlen kann. Man sollte natürlich ein wenig Interesse für solche Dinge mitbringen, muss aber kein Fan oder gar Kenner klassischer Musik sein, um den Besuch eines Lunchkonzertes als Bereicherung zu empfinden. Für mich selbst war es wie gesagt zwar auch das erste, aber sicher nicht das letzte Mal.

Dank der zentralen Lage der Philharmonie zwischen Potsdamer Platz und Kulturforum lässt sich der Besuch eines solchen Lunchkonzertes gut in fast jedes Berlin-Programm integrieren. Vormittags Sightseeing oder Museumsbesuch, mittags dann Lunchkonzert mit Imbiss in der Philharmonie, und danach von dort aus zu Fuß weiter zum Shoppen in die Arkaden am Potsdamer Platz, in eine der umliegenden Kunstausstellungen oder durch den Tiergarten zum Brandenburger Tor. Um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Auch ich habe die Gelegenheit genutzt und den Heimweg zu einer kleinen Sightseeingtour gemacht. Weitere Infos und ein paar Schnappschüsse davon finden sich im Schwesterblog Ersichtliches.

Die Lunchkonzerte der Philharmonie laufen zunächst noch bis zum 17. Juni 2014. Wann es nach der Sommerpause wieder weitergeht, steht offenbar noch nicht fest, vermutlich irgendwann im September.

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